Was ist ein Depotübertrag?
Kurz & knapp: Ein Depotübertrag ist in Deutschland kostenlos (BGH-Urteil 2004) und dauert laut BaFin maximal drei Wochen. Du beauftragst den Übertrag beim neuen Broker, der alles mit deiner alten Bank regelt. Wichtig: Vorher Kaufabrechnungen sichern, Einstandskurse nach dem Übertrag prüfen und Freistellungsauftrag anpassen. Stand: Februar 2026
Ein Depotübertrag – auch Depotwechsel genannt – ist der Umzug deiner Wertpapiere von einem Broker zu einem anderen. Dabei werden Aktien, ETFs, Fonds und andere Papiere elektronisch von der alten Depotbank zur neuen übertragen. Du musst also nichts verkaufen und nichts neu kaufen.
Die häufigsten Gründe für einen Depotwechsel: günstigere Gebühren, bessere Handelsplätze, ein breiteres Sparplan-Angebot oder eine attraktive Wechselprämie. Das Beste daran: Der Depotübertrag ist in Deutschland kostenlos – das hat der Bundesgerichtshof bereits 2004 entschieden.
Grundsätzlich gilt: Wenn du mit deinem aktuellen Broker unzufrieden bist oder woanders bessere Konditionen findest, lohnt sich ein Depotwechsel fast immer. Der Prozess ist einfacher, als die meisten denken.
Depot übertragen: Schritt-für-Schritt Anleitung
Schritt 1: Neues Depot eröffnen
Bevor du den Übertrag startest, brauchst du ein neues Depot. Die Eröffnung dauert bei Direktbanken und Neobrokern in der Regel zwei bis fünf Werktage – inklusive Identitätsprüfung per Video-Ident oder PostIdent.
Wichtig: Prüfe vorher, ob alle deine Wertpapiere beim neuen Anbieter handelbar sind. Die meisten Broker bieten eine Suchfunktion, in der du nach WKN oder ISIN suchen kannst. Wenn ein Papier dort nicht gelistet ist, kann es auch nicht übertragen werden.
Wenn du noch keinen neuen Broker ausgesucht hast, hilft dir unser Depot Vergleich bei der Auswahl. Oder du schaust dir unsere Übersicht der besten Neobroker an.
Schritt 2: Übertragungsformular ausfüllen
Nach der Depoteröffnung beauftragst du beim neuen Broker den Depotübertrag. Der neue Anbieter kümmert sich um alles Weitere. Du füllst ein Formular aus – online oder als PDF – und gibst folgende Daten an:
- Deine persönlichen Daten (Name, Adresse)
- Depotnummer des alten Depots (steht auf deinem Depotauszug)
- Depotnummer des neuen Depots
- Wertpapiere mit ISIN und Stückzahl (exakt wie im alten Depot)
- Gesamt- oder Teilübertrag (alle oder nur bestimmte Positionen)
💡 Tipp: Lade dir vor dem Übertrag alle Kaufabrechnungen aus dem Online-Banking deines alten Brokers herunter. Nach einer Kündigung hast du oft keinen Zugriff mehr auf das Postfach.
Schritt 3: Abwarten – der neue Broker regelt den Rest
Nachdem du das Formular abgeschickt hast, kontaktiert dein neuer Broker die alte Bank. Die technische Abwicklung läuft über die zentrale Verwahrstelle Clearstream (ein Tochterunternehmen der Deutschen Börse). Sind deine Wertpapiere dort hinterlegt, klappt der Übertrag in der Regel sehr schnell.
Die BaFin hat 2022 eine klare Vorgabe gemacht: Ein Depotübertrag darf nicht länger als drei Wochen dauern. In der Praxis sind die meisten Überträge innerhalb von ein bis zwei Wochen erledigt. Sollte es länger dauern, muss dich die Bank spätestens fünf Arbeitstage nach Ablauf der Frist informieren – mit Angabe des Grundes.
Schritt 4: Einstandskurse und Steuerdaten kontrollieren
Dieser Schritt wird oft vergessen, ist aber entscheidend: Nach dem Übertrag solltest du sofort prüfen, ob die Einstandskurse korrekt übertragen wurden. Der Einstandskurs (Kaufpreis plus Gebühren) ist die Basis für die spätere Steuerberechnung beim Verkauf.
Vergleiche die Angaben im neuen Depot mit deinen gesicherten Kaufabrechnungen. Falls du Unstimmigkeiten findest, kontaktiere den Kundenservice und reiche deine Abrechnungen als Beleg ein.
Vergiss auch nicht, bei deinem neuen Broker einen Freistellungsauftrag einzurichten. Der wird nicht automatisch übertragen.
Schritt 5: Altes Depot schließen (optional)
Du musst dein altes Depot nicht sofort kündigen. Wir empfehlen, es erst zu schließen, wenn du sicher bist, dass alle Wertpapiere und Daten korrekt übertragen wurden.
Falls noch Bruchstücke im alten Depot liegen (zum Beispiel 0,7 ETF-Anteile aus einem Sparplan), werden diese in der Regel automatisch und kostenlos verkauft. Der Erlös wird dir auf dein Verrechnungskonto gutgeschrieben.
Was kostet ein Depotübertrag?
Kurze Antwort: Nichts. Der Bundesgerichtshof hat am 30. November 2004 (Az. XI ZR 200/03) entschieden, dass Banken keine Gebühren für den Depotübertrag erheben dürfen. Die Übertragung von Wertpapieren ist eine gesetzliche Pflicht der Bank, keine Sonderleistung.
Allerdings gibt es eine Ausnahme: Wenn Wertpapiere im Ausland verwahrt werden und ein Lagerstellenwechsel nötig ist, können Kosten der ausländischen Verwahrstelle entstehen. Bei Wertpapieren, die innerhalb Deutschlands bei Clearstream liegen, ist der Übertrag grundsätzlich kostenlos.
Wie lange dauert ein Depotübertrag?
| Szenario | Typische Dauer |
|---|---|
| Inländische Wertpapiere (Clearstream) | 1–2 Wochen |
| Verschiedene Lagerstellen | 2–3 Wochen |
| Ausländische Wertpapiere | 3–6 Wochen |
| BaFin-Vorgabe (Maximum) | 3 Wochen |
Die Deutsche WertpapierService Bank (dwpbank) hat ausgewertet: Von 2,6 Millionen Depotüberträgen im Jahr 2021 dauerten nur 0,15 % länger als drei Wochen. In den seltenen Fällen lag es an externen Transfer Agents – besonders bei britischen Wertpapieren, wo teilweise noch per Fax kommuniziert wird.
⚠️ Aktuelle Warnung (Stand 2025/2026): Die BaFin verzeichnete 2025 einen Anstieg der Beschwerden um 35 %. Mehr als die Hälfte betreffen Wertpapiergeschäfte bei Neobrokern – darunter monatelange Verzögerungen bei Depotüberträgen und fehlende Anschaffungsdaten. Wenn du einen Übertrag von oder zu einem Neobroker planst, rechne mit etwas mehr Geduld.
Depot übertragen: Broker im Vergleich
Diese Broker bieten kostenlose Depotführung und sind für einen Depotwechsel besonders interessant:
| Broker | Orderkosten | ETF-Sparpläne | Zinsen | Wechselprämie |
|---|---|---|---|---|
| finanzen.net zero | 0 EUR (ab 500 EUR) | 1.776 kostenlos | 0 % | – |
| Smartbroker+ | 0 EUR (ab 500 EUR) | 2.500 kostenlos | 1,75 % | – |
| Traders Place | 0 EUR (ab 500 EUR) | 2.500 kostenlos | 1,75 % | 60 EUR |
| Trade Republic | 1 EUR | 2.500 kostenlos | 2,00 % | – |
| Scalable Capital | 0,99 EUR | 1.920 kostenlos | 2,25 % | bis 2.500 EUR |
| ING | 4,90 EUR + 0,25 % | 1.198 kostenlos | 0 % | – |
| flatex | 5,90 EUR | 1.837 kostenlos | 0 % | 500 EUR Guthaben |
| DKB | 10 EUR | 1.854 (470 kostenlos) | 1,00 % | Aktions-Trading |
Stand: Februar 2026. Konditionen können sich ändern.
Einerseits locken Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital mit niedrigen Gebühren und Zinsen auf Guthaben. Andererseits bieten etablierte Direktbanken wie ING und DKB oft stabilere Übertragungsprozesse. Wenn dir ein reibungsloser Depotübertrag wichtig ist, kann das ein entscheidendes Kriterium sein.
Hier findest du den vollständigen Depot Vergleich mit allen Anbietern.
Steuerliche Aspekte beim Depotübertrag
Die Einstandskurs-Falle
Der kritischste Punkt beim Depotübertrag ist die korrekte Übertragung deiner Einstandskurse (auch Anschaffungskosten). Diese bestimmen, wie viel Steuern du beim späteren Verkauf zahlst.
Die abgebende Bank ist verpflichtet, Einstandskurse und Kaufdaten über ein standardisiertes Format an den neuen Broker zu übermitteln. In der Praxis passieren dabei allerdings immer wieder Fehler – besonders bei Neobrokern, die 2025/2026 mit einer Welle von Übertragungen zu kämpfen hatten.
Was passiert bei fehlenden Einstandskursen? Nach § 43a Abs. 2 EStG nimmt die neue Bank pauschal 30 % des Verkaufserlöses als Anschaffungskosten an. Das bedeutet: Du zahlst auf 70 % des Verkaufspreises Steuern – deutlich mehr als nötig, wenn dein tatsächlicher Gewinn viel kleiner war.
Lösung: Reiche deine originalen Kaufabrechnungen beim neuen Broker ein. Falls du die Wertpapiere bereits verkauft hast, kannst du dir die zu viel gezahlte Steuer über die Einkommensteuererklärung zurückholen.
Freistellungsauftrag anpassen
Dein Freistellungsauftrag wird nicht automatisch übertragen. Du musst aktiv werden:
- Beim alten Broker: Freistellungsauftrag reduzieren oder löschen
- Beim neuen Broker: Neuen Freistellungsauftrag einrichten
Der Sparerpauschbetrag liegt bei 1.000 EUR pro Person (2.000 EUR bei Verheirateten). Ohne Freistellungsauftrag werden Kapitalerträge sofort mit 25 % Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag belastet.
Verlustverrechnungstöpfe übertragen
Bei einem Gesamtübertrag (alle Wertpapiere) kannst du deine Verlustverrechnungstöpfe mit übertragen lassen. Bei einem Teilübertrag bleiben sie beim alten Broker.
Es gibt zwei Töpfe: einen für Aktienverluste (nur mit Aktiengewinnen verrechenbar) und einen für sonstige Kapitalerträge (verrechenbar mit Dividenden, ETF-Gewinnen etc.). Gib beim Übertrag aktiv an, dass die Töpfe mit übertragen werden sollen.
Mehr zu steuerlichen Themen findest du in unserem Ratgeber Depot & Steuern.
Häufige Probleme beim Depotübertrag
Bruchstücke von ETFs und Aktien
Wenn du einen ETF-Sparplan besparst, sammelst du oft Bruchstücke an – zum Beispiel 12,73 Anteile statt genau 13. Die meisten Broker übertragen nur ganze Stücke. Die Bruchstücke werden beim alten Broker automatisch verkauft, und der Erlös wird dir gutgeschrieben.
Nicht übertragbare Wertpapiere
Manche Wertpapiere lassen sich nicht übertragen:
- Derivate und Optionsscheine – viele Broker schließen diese von Überträgen aus
- Ausländische Wertpapiere – ein Lagerstellenwechsel kann nötig und kostenpflichtig sein
- Wertpapiere, die beim neuen Broker nicht handelbar sind
In diesen Fällen hast du drei Optionen: das Papier im alten Depot belassen, es verkaufen oder einen anderen neuen Broker suchen.
Kein Handel während des Übertrags
Während deine Wertpapiere „unterwegs" sind, kannst du sie weder kaufen noch verkaufen. Das kann ein bis drei Wochen dauern. Daher gilt: Positionen, die du zeitnah verkaufen willst, übertrage nicht. Verkaufe sie vorher und transferiere das Geld separat.
Falls ETF-Sparpläne im alten Depot laufen, solltest du diese vor dem Übertrag stoppen. Andernfalls können Buchungen ins Leere laufen.
Depotwechsel-Prämien 2026
Einige Broker belohnen den Depotwechsel mit attraktiven Prämien:
| Broker | Prämie | Bedingung |
|---|---|---|
| Scalable Capital | Bis zu 2.500 EUR | Mind. 10.000 EUR Übertrag, 6 Monate Haltefrist |
| flatex | 500 EUR Orderguthaben | Neukunden bis 28.02.2026 |
| Traders Place | 60 EUR in ETF-Anteilen | 3 Trades à 100 EUR in 45 Tagen |
| JustTrade | 50 EUR | Neukundenaktion |
| DKB | 6 Monate vergünstigtes Trading | 1,90 EUR Orders + kostenlose Sparpläne |
Beachte: Prämien sind oft an Haltefristen und Mindestvolumen gebunden. Lies die Bedingungen genau durch, bevor du dich entscheidest.
Eine ausführliche Übersicht findest du in unserem Ratgeber Depotwechsel Prämien 2026.
Checkliste: Depot übertragen
Damit nichts schiefgeht, hier deine Checkliste:
- ☐ Alle Kaufabrechnungen aus dem alten Depot herunterladen
- ☐ Neues Depot beim gewünschten Broker eröffnen
- ☐ Prüfen, ob alle Wertpapiere beim neuen Broker handelbar sind
- ☐ Sparpläne im alten Depot stoppen
- ☐ Übertragungsformular beim neuen Broker ausfüllen
- ☐ Gesamt- oder Teilübertrag wählen (Verlustverrechnungstöpfe beachten)
- ☐ Nach dem Übertrag: Einstandskurse prüfen
- ☐ Freistellungsauftrag beim neuen Broker einrichten
- ☐ Altes Depot erst schließen, wenn alles geprüft ist

